Die Wiedertäufer – Neuer Blog für Münster

2. Juni 20170 Kommentare

Die Wiedertäufer Blog Münster

Die Wiedertäufer sind zurück in Münster. Nicht in Form einer religiösen Bewegung, sondern in Form eines unabhängigen Blogs rund ums Stadtleben. Inhaltlich geht es dabei vornehmlich darum politische Prozesse, wie beispielsweise die Stadtentwicklung, kritisch zu beleuchten. Nils Dietrich ist der Gründer des Blogs „Die Wiedertäufer“ – wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

MS4L: Hey Nils, wie ist die Idee zum Blog „Die Wiedertäufer“ gewachsen?

Nils Dietrich: Da gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal habe ich Bock auf guten Journalismus, der nicht, ich nenne es mal so, vorformatiert ist. Und davon kann auch Münster noch eine Prise vertragen. Zugleich ist es so, dass wir hier in Münster noch kein lokales Blog haben. In anderen Städten und Regionen gibt es solche Angebote durchaus, beispielsweise die Nordstadtblogger in Dortmund oder die Ruhrbarone im Pott. Die machen einen sehr guten Job mit eigenen Themen und einer eigenen inhaltlichen Ausrichtung. Und vor allem einer eigenen Haltung! Andere beschränken sich hingegen auf das Veröffentlichen von Polizeimeldungen und Pressemitteilungen. Nicht zuletzt haben wir hier in Münster auch aus publizistischer Sicht eine Nische, die wir besetzen wollen.

MS4L: Wer schon mal einen Blick auf deine Seite geworfen hat, dem wird schnell klar, dass du bezüglich der Themen „keine Gefangenen machst“ – wenn ich das mal so formulieren darf. Das ist ernsthafter und gut recherchierter Journalismus und vor allem die kritische Auseinandersetzung mit Themen wie AfD Undercover, Standortfrage Preußenstadion, Wohnungsbau in Münster. Themen wie die Finanzierung der Klostergärten oder die Sonntagsöffnungszeiten von Rewe-to-go hast du sogar als erster in den städtischen Diskurs gebracht. Willst du hier ein journalistischen, kritischen Kontrapunkt setzen?

Nils Dietrich: Na, kontra heißt ja immer, dass man gegen etwas ist. So möchte ich das nicht verstanden wissen. Wir wollen Themen bringen, die man woanders nicht liest bzw. noch nicht gelesen hat. Und liest man sie woanders, wollen wir sie anders erzählen. Da ist der Einsatz bei der AfD ein gutes Beispiel. Grundsätzlich… Es liegen so viele Geschichten auf der Straße, man muss sie nur erzählen! Andersherum gibt es den ein oder anderen Busch, auf den man mal klopfen muss. Da kommen dann auf einmal ganz viele hektische Insekten herausgeflogen. Manche haben Angst, manche wollen stechen.

Es ist aber schon so, dass unsere schöne, beschauliche Stadt etwas mehr kritische Haltung vertragen kann. Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ein ganz kleines Beispiel: Die Stadt musste kürzlich 9.000 Wahlbenachrichtigungen neu drucken und verschicken. Was das kostet, hat unsere Marktbegleiter nicht interessiert. Ich musste zweimal bei der Stadt nachfragen, bis ich die Zahl genannt bekam. 5.050 Euro sind jetzt nicht die Welt bei einem Haushalt mit einem Volumen von einer Milliarde. Aber es sagt etwas darüber aus, was dem Journalismus in dieser Stadt fehlt!

Video: Die Wiedertäufer – Crowdfunding

 

MS4L: Allgemein zur Ausrichtung deines Blogs. Soll es bei „Die Wiedertäufer“ grundsätzlich ernsthafter zugehen oder bist du auch offen für lockere Themen?

Nils Dietrich: Ausschlaggebend ist die publizistische Relevanz! Es kann aber durchaus etwas lockerer zugehen. Ich hoffe, der ein oder andere Text strahlt neben einer gewissen Bissigkeit auch etwas Humor aus. Wo es eben angebracht ist.

Wir sind jetzt zwei Monate online und sind noch dabei, die Marke Wiedertäufer mit bestimmten Attributen zu versehen. Interessant ist aber, dass das Blog als investigativ wahrgenommen wird. Diesen Begriff haben wir nie benutzt, aber damit können wir sehr gut leben, auch wenn ich investigativ etwas anders definieren würde.

MS4L: Macht dir gerade die Freiheit, nicht auf Reichweite zu schielen oder dich nicht an Werbepartnern orientieren zu müssen, macht gerade diese Freiheit die Ausrichtung des Blogs aus?

Nils Dietrich: Sicherlich auch. Wir müssen auf niemanden Rücksicht nehmen, nur die Gesetze des Staates und der Moral setzen uns Grenzen. Ansonsten… Immer in die Vollen!

Andersherum… Ich habe neulich noch darüber nachgedacht, mal testweise eine Geschichte darüber zu machen, dass eine große amerikanische Fastfood-Kette jetzt auch in Münster von den Mädels und Jungs in pink liefern lässt. Das wäre sicherlich gut gelaufen, hätte aber nicht zu uns gepasst. Da machen wir dann lieber eine Insider-Geschichte über diese neuen Lieferdienste.

Die Wiedertäufer Blog Münster Nils Dietrich

Gleichzeitig möchten wir aber schon, dass die Geschichten gelesen werden. Eine gewisse publizistische Relevanz wünschen wir uns als Medium schon. Und das gelingt uns für den Beginn schon ganz gut. Wir haben immer wieder Geschichten dabei, die mehr als 1.000 Abrufe haben.

„Ausschlaggebend ist die publizistische Relevanz“

MS4L: Du bist ausgebildeter Journalist, gehst aber aktuell einem „anderen“ Job nach. Willst du „Die Wiedertäufer“ irgendwie rentabel machen oder soll es ein Projekt für deine Freizeit bleiben?

Nils Dietrich: Ich sage immer, das ist ein Non-Profit-Hobby-Projekt. Das ist einfach einem gewissen Realismus geschuldet. Man kann mit so einem Blog nicht Geld verdienen oder zumindest nicht so viel, dass es zum Leben reicht. Es gibt andere Projekte, bei denen das versucht wird. Da bist du dann aber wieder bei Zeitungsjournalismus, der anstatt auf Papier in diesem Internet stattfindet und nicht einmal den Mindestlohn abwirft. Ich lasse mich da aber gern eines Besseren belehren!

MS4L: Kommen wir vielleicht nochmal auf den Namen – Die Wiedertäufer. Das waren ja durchaus streitbare Gesellen. Wieso der Name?

Nils Dietrich: Das Projekt soll Münster atmen, das reflektiert der Name einerseits. Andererseits geht es darum, die Leute ein wenig zu kitzeln, aus ihrer Komfortzone herauszuholen, mal die Birne einzuschalten! Klar, die Wiedertäufer waren keine Heiligen. Ganz im Gegenteil. Sie wollten aber nicht nur schlechtes und vor allem: Sie haben sich gegen die Obrigkeit aufgelehnt und mussten am Ende dafür bezahlen. Diese Ambivalenz soll der Name ebenfalls widerspiegeln. Ich verdiene mein Geld beispielsweise in der PR, eine solche Doppelfunktion ist zumindest diskutabel.

MS4L: Was müssen Leute mitbringen, die sich bei dir melden und sagen: hey, ich hab Bock mitzumachen?

Nils Dietrich: Momentan ist es so, dass ich das Schreiben allein übernehme. Es gibt noch weitere Unterstützer, die mir thematischen Input geben, mit mir diskutieren und Texte gegenlesen. Das ist sehr wichtig, ich brauche ein Korrektiv.

Die Zielsetzung ist aber, dass wir jeden Tag eine Geschichte bringen. Das kann ich nicht abbilden und das Projekt ist auch für ein Team gedacht. Es heißt ja die Wiedertäufer. Von daher bin ich auf der Suche nach Mitstreitern. Zuletzt hatte Priorität, die ganze Nummer ans Laufen zu kriegen.

Was müssen die Leute mitbringen? Neugierde, Biss und – ich nenne das immer so – den erforderlichen Punch. Eine klare Haltung, die immer eine demokratische sein muss. Das eigentliche Schreiben einer Geschichte ist ja immer nur der letzte Punkt in einem längeren Prozess. Das war’s schon. Wir sind auch offen für Kolumnisten und Gastbeiträge von Menschen, die qua Qualifikation oder Position etwas zu aktuellen oder grundsätzlichen Themen zu sagen haben. Zur Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs hätte ich gerne noch eine Architekturkritik. Ich weiß nämlich noch nicht so ganz, was ich davon halten soll. Aber Ende sind wahrscheinlich alle nur glücklich, dass da was Neues steht.

Wer den Blog noch nicht kennt, dem empfehlen wir auf der Wiedertäufer-Seite mal reinzukneistern. Aktuell gibt es dort beispielsweise einen Beitrag über Lieblingsplätze im Sommer – abseits der beliebten Spots.

 

 

ms4l

Über den Autor ()

Der Teamaccount von Münster 4 Life.

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