Markus Gebauers „Urbexery Abandoned Places“

10. November 2016

Abandoned Lost Places

Die Schönheit des Heruntergekommenen, darauf richtet sich seit einigen Jahren der Fokus des Münsteraner Fotografen Markus Gebauer und seiner Bildstrecken der urbexery abandoned places. Verlassene Industriegebäude, heruntergekommene Villen und vergessene Ruinen – was für die Gesellschaft nicht mehr von Interesse ist, macht Gebauer durch seine Fotografie wieder sichtbar. Nicht nur das, er kitzelt die besondere Ästhetik des Verfalls aus diesen Plätzen heraus. Dazu braucht es Gespür, Abenteuerlust und eine ordentliche Portion Geduld. Im Idéal Café, wo ihr aktuell einige seiner Bilder sehen könnt, haben wir uns mit Markus zum Gespräch getroffen.

MS4L: Hallo Markus, schön das du Zeit gefunden hast. Kannst du dich erinnern, wann und wie deine Leidenschaft für verlassene Gebäude angefangen hat?

MG: Ja, ganz genau sogar. Das war im Jahr 2011. Damals habe ich durch Zufall Bilder von einem verfallenen Schloss in Belgien gesehen. Ich hatte schon immer irgendwie ein Faible für Schösser, aber nie Bock auf so standardmäßige Führungen. Ich gucke halt lieber hinter die Kulissen. Die Bilder die ich gesehen habe, waren genau das: ein Blick hinter die Kulissen. Das hat mich direkt gefesselt und ich musste das verlassene Schloss mit eigenen Augen sehen. 800 km hin und zurück, aber das war der Wahnsinn. Als ich wieder in Münster war hab ich mir eine Kamera gekauft und bin direkt nochmal dahin. Irgendwie bekloppt.

MS4L: Ehrlich gesagt, das verstehen wir total. Mit Belgien ging es dann also richtig los?

MG: Genau. Das war sozusagen der Startschuss. Ich bin ja kein gelernter Fotograf und so habe ich mich Schritt für Schritt ins Equipment eingearbeitet. Dieses Schloß in Belgien war ja mein erstes eigenständiges Urban Exploring. Am Anfang stand das Abenteuer klar im Vordergrund – eben diese verlassenen Gelände zu erkunden. Davon wollte ich dann immer mehr sehen und habe danach Schritt für Schritt zunächst die nähere Umgebung gecheckt. Das ist jedoch schwierig, auf diese Weise fündig zu werden. Also habe ich mir über Bilderforen im Internet neue Spots gesucht.

How to … Urban Exploring

MS4L: Wie sieht so ein Trip von der Planung aus? Nimm uns mal mit in den Aufbau.

MG: Zunächst recherchierst du halt viel in Büchern und im Internet. Wenn ich dann fixiert bin auf ein Objekt, fange ich mit der konkreten Planung an. Da die meisten meiner Reisen ins Ausland gehen, fährt man da natürlich nicht mal eben auf gut Glück hin. Man tauscht sich zunächst mit anderen Urban Explorern aus, also mit ein paar Bekannten bzw. Gleichgesinnten, die ich im Laufe der letzten Jahre kennengelernt habe. Mit denen checkt man dann Fragen wie, wer war zuletzt da und was ist vor Ort möglich.

MS4L: Was möglich ist? Kannst du uns das ein wenig genauer erklären?

MG: Ja, das heißt zunächst, wann sind die letzten Bilder gemacht worden? Wenn 1-2 Jahre keine Bilder aufgetaucht sind, sind die Spots wahrscheinlich versiegelt, durch Vandalismus zerstört, abgebrannt oder so was in diese Richtung. Kurz: nicht mehr zugängich oder ganz weg. Wenn da jedoch aktuellere Sache dabei sind, erkundigt man sich, ob es vor Ort irgendetwas besonderes zu beachten gibt. Viele Gelände werden ja beispielsweise von Rangern bewacht oder es gibt andere Unwegsamkeiten.

Ärger mit französischen Bauern

MS4L: Du sagst bewacht. Wie müssen wir uns das dann vorstellen? Kletterst du da über Zäune oder durch Dachluken?

MG: (Lacht) Nein, es gibt schon Regeln und die gelten auch für verlassene Gebäude. Türen und Fenster die verschlossen sind, bleiben verschlossen. Wenn du vor Ort bis und es kommen Leute, denen deine Anwesenheit nicht gefällt, gehst du wieder. Alles easy. Aber mit Unwegsamkeiten meine ich, dass es auch schon mal Ärger gibt. Einmal waren wir auf einem nicht verschlossenen Geländen in Frankreich, das war so eine Art alter Schrottplatz. Als wir vom Gelände wieder runterkamen, hat schon ein Bauer mit seiner Mistgabel auf uns gewartet. Der dachte sich wohl, wir machen irgendeinen Unfug. Beruhigen konnten wir den nicht. Der war richtig auf Touren und hat uns beim Wegfahren mit der Mistgabel noch die Karre demoliert. Davor warnt man dann natürlich auch die Community und zieht für sich selbst den Schluss noch genauer zu recherchieren.

MS4L: Du hast gerade wir gesagt? Du bist also im Team unterwegs?

MG: Man sollte nicht alleine losziehen. Wir reden hier über alte verlassen Gebäude, teilweise Ruinen. Da geht man entweder zu zweit rein oder der Andere ist in der Nähe und weiß, was man macht und wo man sich aufhält. Einen guten ersten Eindruck was einen vor Ort so erwartet liefert unser „timeless“-Video von einer Erkundung.

VIDEO – urbexery abandoned places – timeless

 

MS4L: Wieviel Zeit beansprucht deine Leidenschaft und wie oft bist du unterwegs?

MG: Viel. Ich meine, ich habe „nebenbei“ noch einen Fulltime-Job. Doch mindestens einmal im Monat muss ich los – auf Erkundung. Die Trips brauchen auch Zeit – nicht nur in der Planung. Wenn es was besonders entlegenes ist, ist man da schon mal eine Woche unterwegs. Früher, also am Anfang, waren es so 600 bis 800 km hin und zurück an einem Wochenende. Mittlerweile sind es eher Strecken von bis zu 1.500 km. Da muss ich schon auf die Kombination Flugzeug und Mietwagen umsteigen.

MS4L: Was macht jetzt nach der ganzen Zeit, in der du durch die Welt fährst, die besondere Faszination aus?

MG: Das Shooting ist das Highlight. Aber was man auf dem Weg so sieht ist einfach unglaublich. Die Spots – selbst in großen Metropolen wie Paris – liegen am Arsch der Welt. Es gibt ja Gründe warum die verlassen sind. Dabei macht man Strecken, die man sonst nie machen würde, wenn man das Land „normal“ besucht.

„Dieses Ufo war einfach der Wahnsinn“

MS4L: Wird vielleicht schwierig, aber kannst du einen Trip nennen der für dich besonders in Erinnerung ist. Sozusagen einen Lieblingsort?

MG: Ganz klar Bulgarien. Da gibt es ein Ufo, so nenne ich es zumindest. Das Ding ist nicht von dieser Welt. Es handelt sich um ein Denkmal auf 1.400 Metern Höhe, das 1981 zum Gedenken an eine Schlacht gegen die Osmanen eingeweiht wurde.

urbexery abandoned places Markus Gebauer

Das Denkmal wurde seinerzeit von fast 6.000 Arbeitern erbaut, die alleine zwei Jahre an der Inneneinrichtung arbeiteten. Die Haupthalle ziert ein 500 Quadratmeter großes Mosaikfresko mit Szenen aus dem kommunistischen Bulgarien und der Sowjetunion. Der Bau kostete 16 Millionen bulgarische Leva, was umgerechnet etwa 8,2 Millionen Euro entspricht (ein damaliges Monatsgehalt betrug etwa 130 Leva). Seit dem Fall des sozialistischen Regimes 1989 fiel das Monument großflächigem Vandalismus und Zerstörungswut zum Opfer. Wahnsinn. Den Trip zum „Ufo“ habe ich zwei Jahre geplant und mir im letzten Jahr selbst zum Geburtstag geschenkt.

urbexery abandoned places beim Design Gipfel Münster

„Live“ sehen könnt ihr einige der Meisterwerke aus der Serie urbexery abandoned places am 12. und 13. November 2016 im Rahmen des Design Gipfel in der Mensa am Ring. Die Öffnungszeiten des Designmarktes sind jeweils Samstag und Sonntag von 12:00 bis 18:00 Uhr. Wer sich digital noch mehr Eindrücke holen möchte, kann sich durch die großzügigen, weil umfangreichen, Galerien auf Markus Gebauers Website klicken. Dort findet ihr auch den brandneuen und druckfrischen Bildband von Markus.

©Fotos: Markus Gebauer

 

 
ms4l

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