Ein Rucksack voll Hoffnung – Münster

9. Februar 20160 Kommentare

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Obdachlosigkeit gehört in Münster, wie in den meisten anderen Orten Deutschlands, fest zum Stadtbild und die nackten Zahlen verdeutlichen, dass es nicht gerade ein kleines Problem ist. Mehr als 700 Menschen (Stand 2014) sind in Münster als Obdachlos gemeldet. Das Projekt „Ein Rucksack voll Hoffnung“ will hier unterstützen und die Situation der Menschen auf der Strasse verbessern.

Die Initiative startete vor nicht ganz einem Jahr mit einem Aufruf über Facebook. An vier Samstagen im vorherigen März sammelten der Schüler Sebastian Jeising und seine jugendlichen Helfer Sachspenden, wie Kleidung, Hygieneartikel und natürlich Rucksäcke, auf dem Michaelisplatz. Die Ressonanz auf den Aufruf war beeindruckend und so bekamen die Schüler sehr viele und vor allem hilfreiche Spenden. Die Sachen wurden gesichtet, sortiert, in Rucksäcke gepackt und an Wohn- und Obdachlose in Münster verteilt. Seitdem finden die Sammel- und Verteilaktionen nach dem Schulunterricht oder an Wochenenden regelmäßig statt. Der Kreis der freiwilligen Helfer setzt sich mittlerweile aus 15 Münsteraner Schülerinnen und Schülern zusammen. Auch dank der Unterstützung von draußen e. V. und der Aids-Hilfe Münster hat sich diese tolle Initiative fest etabliert.

Helfen und aufklären

An einem Wochentag treffen wir Sebastian Jeising und drei Helferinnen in ihrer neuen Basis im Boromaeum. Der vollgepackte Raum vermittelt einen guten Eindruck davon, wieviel Arbeit bereits hinter dem Sortieren der Spenden steckt. In den einzelnen Rucksäcken findet sich neben Hygeneartikeln vieles was in der kalten Jahreszeit auf der Strasse hilft, Pullover, Mützen, lange Unterhosen, Handschuhe. Gerade die Klamotten werden nicht einfach so reingeklatscht, sondern immer auch passend zusammengestellt. Vom Boromaeum starten die vier Schüler mit den gepackten Rücksäcken auf ihre Tour. Ihnen ist es wichtig, dass die Hilfsbedürftigen nicht zu ihnen kommen und dann eventuell in einer Schlange um die Rucksäcke anstehen müssen. Anstatt dessen suchen die Jugendlichen selbst den Weg zu den Obdachlosen. Der 16-jährige Sebastian spricht hier von „Würde“.

Man merkt dem Schüler an, dass er sich über die Situation der Obdachlosen schon lange Gedanken macht. Er interessiert sich für die Menschen, möchte ihre Geschichten hören. Sebastians erste noch recht oberflächlichen Kontakte entstanden, wie bei vielen von uns, bereits in der Kindheit. Die Szene ist bekannt: In der Innenstadt reichen Eltern ihren Kindern etwas Kleingeld mit den Worten: „Gib das mal dem Mann, der dort sitzt“. Sebastian hat das auch so erlebt, hat sich schon damals die Frage gestellt: „Wieso sitzt der Mensch dort? Wieso hat er keine Wohnung?“. Mittlerweile hat er tiefere Einblicke gewonnen. Er weiß, dass die Antworten auf diese Fragen so vielfältig, wie die Menschen und ihre Schicksale verschieden sind. Sebastian hat festgestellt, dass auch vielen seiner Mitschülern die problematische Situation der auf der Straße lebenden Menschen aufgefallen ist. Bevor die Initiative „Ein Rucksack voll Hoffnung“ ins Leben gerufen wurde, gab es zunächst eine Projektgruppe an der Schule. Hier wurde über die Situation der Wohnungslosen aufgeklärt, Anlaufstellen in Münster vorgestellt und Hilfsmöglichkeiten diskutiert. Das Verteilen der Rucksäcke soll dabei erst der Anfang sein. In Kooperation mit der Westfälischen-Wilhelms Universität ist geplant, das Thema in den Unterricht einiger Schulen zu integrieren. Langfristiges Ziel ist es, dass Schüler in Kleingruppen Patenschaften übernehmen.

An diesem Mittag haben die Schüler zunächst kein Glück. Die bekannten Anlaufpunkte in der Münsteraner Innenstadt sind wie ausgestorben. Als wir uns von der Gruppe trennen, gehen sie weiter. Die Rucksäcke finden an diesem Tag in jeden Fall noch die richtigen Abnehmer.

Wer sich über die Initiative „Ein Rucksack voll Hoffnung“ informieren und zu aktuellen Aktion auf dem Laufenden bleiben möchte, der kann das am besten über den Facebook Auftritt der Initiative tun.

Fotos: Hannes Schmidt

 

 

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