Neues Konzept an Münsters Hafen – die B-Side geht steil!

16. Februar 20161 Comment

BSide_Muenster_1

*UPDATE* Gute Neuigkeiten für das Hafenkonzept B-Side. Am 15.02.2016 ging folgende Meldung raus: „Let it B!! Wir konnten die Politik überzeugen: An der B-Side-Fassade wird auch weiterhin das Herz für Kunst und Kultur schlagen! Der Stadtrat hat beschlossen, dass die B-Side und der Ruderverein Münster gleichberechtigt im Hill-Speicher unterkommen werden. Wie das im Detail aussehen soll, wird nun gemeinsam von den beteiligten Akteuren ausgearbeitet. Dafür gibt es bald Gespräche mit der Verwaltung. Eure Unterstützung wird auch weiterhin benötigt.“ *UPDATE*

Auf der neuen Homepage der B-Side könnt ihr euch ausführlich über das Konzept, die Finanzierung und weitere Neuigkeiten informieren. Hier geht´s lang.

Yara Thünken läuft am letzten Freitag durch die zugige Halle des Hill-Speichers und zeigt uns Ausstellungstafel Nr. 7, die das Finanzierungsmodell für Kauf und Sanierung des Industrierohlings erläutert, und lächelt. Trotz der stattlichen Kosten, ist sich die Architektur-Masterstudentin ihrer Sache sicher: „Wir möchten den Münsteranern mit unserer „B-Side“ eine Alternative zu dem ewig gleichen ‚Investoren-bauen-Mieter-zahlen‘-Modell anbieten und wir sind überzeugt, dass es klappen kann. Der Bedarf an bezahlbaren Gewerbeflächen für Kreative und Kulturschaffende ist definitiv da. Wenn demnächst am Hafen noch die Flächen der zwischengenutzten Osmo-Hallen und des Hill-Speichers wegfallen, verliert der Kreativ-Kai jene Kreative, die ihm seine Identität gaben.“ Das Projekt im Hill-Speicher hat seinen Namen von der unsanierten, rechten Hafenseite bekommen, die von den Münsteranern einst liebevoll „B-Side“ getauft wurde. „Let it B-Side“ also. Mit der Anspielung auf den alten Beatles Song wurde am vergangenen Wochenende eine unmissverständliche Forderung laut: Der alte Speicher soll wie bisher als Kultur- und Veranstaltungsort der freien Kunstszene erhalten bleiben.

Shubangi – Unsere Stadt (Unplugged)

 
Vier Monate lang feilte deshalb die offene Projektgruppe an einem Finanzierungs- und Baukonzept und diskutierte ihr Vorhaben mit Lokalpolitikern, Künstlern und Kreativwirtschaft. Die Beteiligten wollten bereits den Entwicklungsprozess der B-Side als Gegenentwurf zu dem Vorgehen von Stadt und Investoren bei der Planung des E-Centers gestalten, das sie ablehnen, weil es die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort nicht berücksichtigt. Nach der städtebaulich und politisch teils harsch kritisierten Entscheidung einer politischen Mehrheit, einen Edeka Markt und Luxuswohnungen zwischen Hansaring und Wasserkante bauen zu lassen, soll es nach dem Willen der B-Side-Initiative auf der anderen Hafenseite besser laufen. Sie möchten auch im weiteren Prozess so viele Menschen wie möglich einbinden. Am vergangenen Wochenende stellte die Gruppe aus Künstlern, Architekten, Designern, Ausstellungsgestaltern, Musikern, Sozialarbeitern und Juristen ihr Vorhaben mit einer Ausstellung der Öffentlichkeit vor und wollte die Münsteraner und ihre Stadtverordneten für eine B-Side in „solidarischem Gemeineigentum“ begeistern.

Fotos: Dario Ronge – www.facebook.com/dariorongefoto

Yara, von Anfang an dabei, verweist auf die dramatische Entwicklung auf Münsters Immobilienmarkt, auf dem Preise für Grundstücke und Mieten zu explodieren scheinen: „Wer sich in Münster nach Studium oder Ausbildung selbständig machen will, hat es doppelt schwer, denn bezahlbare Büro- und Atelierflächen, Co-Working-Spaces, insbesondere interessante Räume in denen man sich zusammen mit anderen entwickeln kann – all das ist in Münster kaum zu finden.“ Sie sieht die Lösung im Entprivatisierungs-Modell des Freiburger Mietshäusersyndikat. Danach wird die Immobilie zwar von den Stadtwerken abgekauft, aber in eine GmbH ausgelagert, die die Flächen an die Nutzer vermietet. Mit den Mieteinnahmen werden Zins und Tilgung der Kredite bedient. Kann ein Nutzer selbst Geld beisteuern, erfolgt dies als Direktdarlehen an die GmbH, die den Betrag – wie sonst auch – über die Zeit samt Zinsen zurückzahlt. Der Vorteil für den Nutzer: Wer nach einiger Zeit wieder aussteigen möchte, ist nicht wie sonst bei direkten Eigentumsbeteiligungen kompliziert gebunden, sondern kündigt einfach den Mietvertrag. In Deutschland wurden bereits über 100 Wohn- und Gewerbeprojekte nach diesem Modell realisiert, darunter der Handwerkerhof in Hamburg-Ottensen oder die Grafschaft 31 in Münster. Die Verwaltung des Gebäudes übernehmen die Nutzer ganz alleine durch einen Verein, der Mehrheitsgesellschafter in der Haus-GmbH ist, einzig den Verkauf des Hauses oder profitorientierte Mieterhöhungen können sie nicht beschließen, dann legt das Mietshäusersyndikat als Minderheitsgesellschafter ein Veto ein. Spekulation und Renditedruck ist bei den so organisierten Immobilien ausgeschlossen.

Marian Heuser / Peter Panisch – Stadtklang

 
Während die 29-Jährige redet und erklärt, füllt sich der Raum und ganz langsam wärmen die Anwesenden das ausgekühlte Gebäude auf. Der kurz vor der Ausstellung im Netz viral gewordene Beaser trägt seinen Teil dazu bei, dass die Veranstaltung so gut besucht wird. Über 400 Menschen werden an diesem Freitagabend das schwebende Modell bewundern, das zwei Architekten, die sich wie alle ehrenamtlich und neben ihrem Job für die B-Side engagieren, maßstabsgetreu gebaut haben. Ratsmitglieder diskutieren vor Ausstellungstafeln, Besucher lassen sich fotografieren, um ihre Unterstützung für das Projekt auszudrücken. Die Fotos baumeln an einem Ruderboot, das in der Mitte des Ausstellungsraums von der Decke hängt, eine Einladung an den Ruderverein Münster, der auf der Suche nach einem neuen Vereinshaus ebenfalls auf den Hill-Speicher aufmerksam geworden ist. „Wir möchten die Ruderer gerne dabei haben! Sport und Kultur unter ein Dach bringen.“ sagt der angehende Sozialarbeiter Roman Wyes. Er sieht vor allem großen Bedarf an Proberäumen und selbstgestalteten Veranstaltungsflächen in Münster und erinnert an das einst gut etablierte Kulturzentrum „Don Quijote“, das vor seiner endgültigen Schließung aus dem schönen Lokal an der Scharnhorststraße an den Nieberding umziehen musste.

BSide

Nach dem Auftakt am Freitag kamen auch am Samstag und Sonntag viele Menschen in den alten Speicher, Künstler wechselten sich auf der Open Stage ab, verschiedene Küchenprofis zauberten internationale Speisen. Bereits zuvor hatten sich etliche Kunstschaffende und prominente Münsteraner mit dem Logo der Initiative fotografieren lassen und so ihre Unterstützung für das Vorhaben ausgedrückt. Den Abschluss machte am Sonntagabend Marian Heuser, der mit CultureCorner seit vielen Jahren in Münster eine offene Bühne organisiert. Zuerst live und später dann im Netz wurde er für seine liebevolle Kritik an der, nach seinen Worten, „Disney-Stadt“ Münster gefeiert. Mit der neuen „B-Side“, so viel ist heute schon klar, dürfte da einiges besser werden. Jetzt muss am Mittwoch nur noch der Stadtrat die richtigen Weichen stellen.

 

 

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Kommentare (1)

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  1. Stu C sagt:

    Ist jetzt hier mehr bekannt? Geht es weiter mit dem Projekt?

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