111 Gründe, Preußen Münster zu lieben

30. September 2015

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Als Fan des SC Preußen Münster muss man eigentlich nicht lange zurückdenken, um sich an einen dieser Tage zu erinnern. An einen dieser Tage eben, an denen man durchaus Mühe hatte einen einzigen Grund dafür zu finden, warum man sich das ganze Drama Woche für Woche antut. Dieses wehmütig schmerzhafte Gefühl dauert natürlich meist nicht lange an, versteht sich. Denn ja, es gibt sie eben auch, die unvergesslichen Momente die wir zusammen im Stadion erleben dürfen (ein paar Beispiele haben wir in Form von YouTubeVideos weiter unten aufgeführt). In Anbetracht dieser Höhen, aber insbesondere wegen der vielen Rückschläge, kommt da der Titel einer Buchneuerscheinung von Carsten Schulte fast schon euphorisch um die Ecke: 111 Gründe Preußen Münster zu lieben. Wir haben den Redakteur von westline zu einen Gespräch getroffen.

Hallo Carsten, dein Preußen-Buch erscheint in der Reihe „111 Gründe … zu lieben“. Es gibt dort schon Bände über in Deutschland doch sehr populäre Fußballclubs, wie etwa Bayern München. Da stellt man sich zum Beispiel vor, dass der Autor einfach alle gewonnen Titel auflistet. Wie bist du beim SC Preußen vorgegangen, der seine treuen Anhänger ja nicht so häufig mit Trophäen beglückt?

Carsten Schulte: Das stimmt… Als ich die Anfrage bekam, dieses Buch zu schreiben, musste ich auch kurz schlucken. Okay, ein paar Gründe waren mir schnell eingefallen. Aber als ich dann zuhause begonnen hatte, die ersten Kapitel zu sortieren, wurde das so etwa ab dem 12. Grunde etwas mühselig. Es ist ja richtig, dass sich solche Bücher über Bayern, Schalke oder BVB praktisch von selbst schreiben. Meisterschaften, Pokalsiege, Europa – da ist man fast durch. Aber schreib das mal über einen Drittligisten, der seit 25 Jahren nix mehr auf die Kette kriegt. Böse gesprochen. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass unser kleiner Verein doch sehr liebenswert ist und ein paar schrullige oder interessante Dinge miterlebt und mitgestaltet hat.

Ist dir die Arbeit an dem Buch allgemein leicht gefallen? Wenn man dann so an interessante Geschichten rund um die Adlerträger denkt, kann man sich vorstellen, fallen einem dann doch ein paar mehr ein. Hast du am Ende wieder was gestrichen?

Carsten Schulte:
Das schließt ein bisschen an die erste Frage an. Das Schreiben hatte was von Fußball. Langsam abtasten, erstmal schauen, was der Gegner macht… und dann eiskalt zuschlagen. Die ersten Bälle, also Texte, waren einfach. Ich habe einfach über mich selbst geschrieben. Ein bisschen eitel, weiß ich. Aber so fängt Fußball doch immer an. Mit einem selbst, oder? Mit den ersten Besuchen im Stadion, den ersten Spielen, dem ersten Jubel. Genauso habe ich das angelegt. Und dann ging es von selbst, das muss ich sagen. Am Ende bin ich einfacher als gedacht an 111 Geschichten gekommen und einige haben es am Ende natürlich nicht mehr ins Buch geschafft.
Ein bisschen geholfen hat mir, dass ich 2006 ja schon ein Preußenbuch geschrieben hatte, für das ich einige Dinge schon recherchiert hatte. Und ich habe als kleiner Furz jeden Zeitungsschnipsel aufbewahrt, den ich zum SCP finden konnte. Da waren ein paar alte Schätzchen dabei…

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Du hattest die Fans angeschrieben, dass sie dir ihre Anekdoten über den SC Preußen Münster zu schicken. Wie war da so die Resonanz und waren da viele überraschende Stories dabei?

Carsten Schulte:
Um ehrlich zu sein, war die Resonanz auf meine Anfrage unter Fans eher so mau. Ich habe das aber zugegebenermaßen nicht so super-öffentlich und prominent beworben. Vielleicht lag’s daran. Auf der anderen Seite kenne ich natürlich selbst ein paar Bekloppte rund um diesen Verein. Und die habe ich dann selbst angezapft – das war prima. Wenn ich das mal sagen darf: So unterschiedlich Fans und Zuschauer menschlich ticken, wenn es um den SC Preußen geht, sind sie im Kern, tief drinnen, ja doch immer gleich. Da ist eine Menge Leidenschaft, das ist halt Fußball. Darf man nicht vergessen, auch wenn es mal etwas rauer im Ton wird.

Das Buch – und eigentlich diese ganze Buch-Reihe mit 111 Gründen – ist für Fans und Freunde von Fußballvereinen gedacht. Also stehen in meinem Buch auch Geschichten, die jeder kennt. Vizemeisterschaft. Bundesliga. Auf- und Abstiege. Das muss sein, denn diese Themen sind untrennbar mit dem Verein verbunden. Und dann sind da Texte drin, die eigentlich nur ganz kleine Geschichten sind. Warum Mario Basler mal sauer auf den SC Preußen war. Wie Christoph Metzelder hier für 400 Mark angefangen hat. Über hellblaue Trikots und die größte Pinkelpause der Preußengeschichte…

Aber um ehrlich zu sein, sind meine Lieblingsgeschichten ausgerechnet MEINE Geschichten. Wie ich mein Leben mit dem SC Preußen verbracht habe. Und warum? Weil ich glaube, dass sich in diesen Texten praktisch jeder wiedererkennen kann und sich daran erinnert, warum ER oder SIE so an diesem Klub hängt. Genau darum geht’s. Was ist unsere eigene Beziehung zum Verein? Die Texte in meinem Buch sollen bestenfalls anregen, die jeweils eigenen Geschichten zu entdecken. Wenn das klappen könnte, wäre ich glücklich.

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Du bist glühender Preußen Anhänger, beschäftigst dich gleichzeitig täglich mit dem Club, im Rahmen deiner Arbeit für westline. Hast du da besondere Ticks mit Enttäuschungen umzugehen?


Carsten Schulte:
Das ist eine spannende Frage, mit der ich tatsächlich häufig konfrontiert bin. Ich bin Preußenfan, aber ich bin auch Redakteur, der über Preußen schreibt. Das geht ja nicht, sollte man meinen. Das Ding ist: Ich bin Preußenfan seit über 25 Jahren, aber als Journalist habe ich erst später begonnen. Da stehst du vor der Frage: Künstlich neutral und sachlich bleiben? Oder offen sein? Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich am SC Preußen hänge. Das wäre albern. Jeder, der mich kennt, weiß das. Und wer mich nicht kennt, muss das wissen, um mich einordnen zu können. Klar mache ich mich manchmal angreifbar – wenn ich kritisch über den Verein schreibe, aber auch, wenn ich etwas Nettes schreibe. Das ist halt so, ich kann das nicht ändern. Ich bin, wer ich bin. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, mich so weit vom Klub zu distanzieren, dass ich Enttäuschungen leichter verpacke. Aber wenn ich ehrlich sein soll: Warum auch? Wozu wäre das gut? Wenn man an einem Verein hängt, dann leidet man ebenso, wie man sich freut.

Besten Dank fürs Gespräch Carsten. Hier bekommt ihr jetzt noch die Infos zum Buch, einen kleinen Auszug und auch von uns ein paar Gründe den SC Preußen Münster zu lieben – in Form einer kleinen Videoauswahl. Viel Spaß!

Carsten Schulte
111 GRÜNDE, PREUSSEN MÜNSTER ZU LIEBEN
Eine Liebeserklärung an den
großartigsten Fußballverein der Welt
ca. 224 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-501-4
Originalausgabe | 9,99 EUR (D)
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Ein kleiner Auszug:
Wir waren 1375 Fans an diesem kalten Abend im Dezember 2005. Die Preußen verloren 1:3 gegen Bayer Leverkusen II. Wir waren 1375 Verzweifelte, Enttäuschte, Wütende. Sechs Monate später war der Klub abgestiegen in die vierte Liga. Aber wir wissen, wie wichtig dieser Abend war.

Die Preußen mussten wohl erst scheitern, um wieder aufzustehen. Während ich das hier schreibe, sind fast zehn Jahre vergangen seit jenem Dezemberabend. Aber wenn wir heute ins Preußenstadion wandern und die Gegner heißen Arminia Bielefeld oder Dynamo Dresden oder MSV Duisburg, dann wissen wir, wo wir herkommen.

So endet das Scheitern doch mit einem glücklichen Seufzer. Und warum auch nicht? Wir lieben diesen Verein, weil er mit uns gestolpert ist. Weil wir uns gemeinsam aufgeholfen haben. Weil wir damals 1375 waren und heute so viele mehr. Man könnte eine Liebeserklärung an einen großen Verein schlechter beginnen, oder?

Preussen Münster – 25 Jahre Aufstieg 2.Liga

 

Preussen Münster – Aufstieg 3.Liga

 

DFB Pokal – Preußen Münster 4:2 Werder Bremen

 

Preußen Münster 4:0 Arminia Bielefeld

 
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Preußen Münster 2:0 VfL Osnabrück

 

Preußen Münster 5:2 Hansa Rostock

 

Preußen Münster 1:4 FC Bayern München

 

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